Niedersächsisch-Westfälische Anglervereinigung e. V. (NWA)
im ANGLERVERBAND NIEDERSACHSEN
- anerkannter Naturschutzverbund -
Abendimpressionen am Niedringhaussee
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Die Edelkrebse werden vor dem Aussetzen noch einmal fachkundig begutachtet (von links: W. Rötker, M. Pfennigschmidt, H. Ferch und M. Hammermeister)..
Fast 10 Jahre ist es her, da wurde der gesamte Edelkrebsbestand in der Nette (Ruller Flut) vernichtet. Mehrere hundert tote Edelkrebse wurden damals gefunden, die dem Erreger der Krebspest zum Opfer gefallen waren. Ein herber Verlust f√ľr das Osnabr√ľcker Land, aber auch dar√ľber hinaus. Denn das Bundesamt f√ľr Naturschutz (BfN) hatte den Edelkrebsbestand in der Nette einem FFH-Bericht aus 2013 zufolge als letztlich verbliebenen autochthonen Europ√§ischen Edelkrebsbestand in der Flussgebietseinheit Ems bezeichnet. Deswegen wollte die NWA 2013 sogar ein Artenschutzprogramm mit dem Ziel starten, weitere Schutzma√ünahmen zu ergreifen. Ein ganzj√§hriges Fangverbot hatte die Angelvereinigung schon seit Jahren vereinsintern erlassen.

Unbekannte hatten offensichtlich unerlaubt Signalkrebse eingesetzt, die Tr√§ger der Krebspest und im Gegensatz zu den Edelkrebsen dagegen selbst immun sind. Die Biologische Gew√§sserkommission der NWA besch√§ftigt sich bis heute unter Federf√ľhrung von Maik Gem√ľth und Manfred Pfennigschmidt mit der Situation. Immer wieder werden zahlreiche Krebsreusen ausgelegt, um den Bestand des invasiven Signalkrebses in der Nette (Ruller Flut) zu reduzieren. Der Signalkrebs bedroht unter anderem auch die Brut der wertvollen Kieslaicher wie Bachforellen, M√ľhlkoppen und Elritzen. Der Signalkrebsbestand hat sich aber im Laufe der letzten Jahre explosionsartig vergr√∂√üert und ausgebreitet. Ein Kampf gegen Windm√ľhlen. In einer Nacht werden jetzt so hunderte Signalkrebse gefangen, die dem Gew√§sser entnommen, verzehrt oder zum Osnabr√ľcker Zoo gebracht werden. Dort freuen sich die Fischotter √ľber die abwechslungsreiche Mahlzeit.

Bei einer Krebsbereusung in der Nacht vom 29. auf den 30.06.2018 wurden zum Erstaunen der Mitglieder der Biologischen Gew√§sserkommission neben zahlreichen Signalkrebsen auch zwei Edelkrebse im Bereich der Stra√üe ‚ÄěZum Gruth√ľgel‚Äú und ‚ÄěKloster Rulle‚Äú gefangen. Diese wurden zun√§chst wieder zur√ľckgesetzt. Nachdem am 13.07.2019 ein weiterer Edelkrebs in eine Reuse ging, entwickelte sich die Idee, die Edelkrebse bei weiteren F√§ngen zu entnehmen, um den Bestand zu sichern und zu vermehren. Am 28.09.2019 war es dann soweit. Gleich drei Edelkrebsweibchen wurden gefangen und zur Quarant√§ne in ein Becken verbracht. Jetzt fehlte nur noch ein Edelkrebsm√§nnchen. Das wurde bei der letzten Aktion im gleichen Jahr gefangen.

Die Edelkrebse wurden in die Obhut unseres Vereinsmitglieds Dipl. Ing. Wolfgang R√∂tker gegeben, der √ľber ein umfangreiches Fachwissen und √ľberregionales Netzwerk verf√ľgt, was Krebse anbelangt. Am 16.03.2020 schl√ľpften die ersten Nachkommen, die sich bis vor kurzem in einem etwa 20 m¬≥ Au√üenbecken auf dem Anwesen von Wolfgang in Badbergen weiter vermehrten. Da die jungen Edelkrebse sp√§testens 2022 in ein gr√∂√üeres Gew√§sser umgesiedelt werden mussten, schaute man sich nach einem geeigneten Teich um. Der sollte folgende Voraussetzungen haben:
- kein Besatz mit Raubfischen, insbesondere Aal (kein Fischgewässer),
- keine Nähe zu Gewässern (insbesondere Fließgewässern) mit invasiven Krebsen,
- keine Wasserbelastung durch Pestizide oder Insektizide,
- keinen schlammigen Untergrund,
- eine Wassertemperatur in den Sommermonaten von > 16 ¬į Celsius, zur Entwicklung
der Geschlechtsorgane,
- eine Teichtiefe von mindestens einem Meter zum √úberwintern,
- eine gute Uferstruktur mit Steinen, Wurzeln etc. zum Verstecken,
- Uferkanten mit grabfähigem Boden zum Buddeln von Höhlen,
- ufernahe Laubbäume als Nahrungszusatz,
- einen dauerhaften, eigenen Zugriff und Verantwortung in Form von Eigentum.

Da kein Gew√§sser mit diesen hohen Anforderungen gefunden wurde, kam die Idee auf, selbst einen kleinen Teich zu bauen. Nachdem der Vorstand gr√ľnes Licht gegeben hatte, wurde ein wasserbeh√∂rdlicher Antrag beim Landkreis Osnabr√ľck und ein Antrag auf F√∂rderung eines naturnahen Kleingew√§ssers bei der Naturschutzstiftung des Landkreises Osnabr√ľck gestellt. Auf der Wiese einer Teichanlage der NWA entstand so ein etwa 1.000 Quadratmeter gro√üer, fast ausschlie√ülich fremdfinanzierter Krebsteich. Im Oktober 2022 wurden die Edelkrebse schlie√ülich nach l√§ngerer, n√∂tiger Vermehrung dort eingesetzt. Es versteht sich von selbst, dass das Angeln und Betreten des Edelkrebsteiches aus seuchenhygenischen Gr√ľnden verboten ist.

Inzwischen ist auch die Untere Naturschutzbeh√∂rde des Landkreises Osnabr√ľck sehr an dem Artenschutzprojekt der NWA interessiert und plant im oberen Bereich der Ruller Flut eine Krebssperre zu installieren. Dort ist der Fluss noch nicht mit Signalkrebsen bev√∂lkert. Ein Teil der Edelkrebse sollen dann 2023 oberhalb der Sperre ausgesetzt werden, falls das die Wasserwerte zulassen. Begleitend soll untersucht werden, ob die Edelkrebse eventuell gegen den Erreger der Krebspest resistent sind. Das w√§re allerdings eine kleine Sensation.
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Maik Gem√ľth und Michael Hammermeister legen vor dem Aussetzen der Edelkrebse noch ein paar R√∂hren als Versteckm√∂glichkeiten aus.



Die Edelkrebse werden behutsam in den Teich gesetzt.


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